2012 - Sun for Children e.V.

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2012

Projekt Goma > Reiseberichte
 

Zu Besuch im Waisenhaus von SfC
(Bericht unseres Vorstandsmitgliedes Helga Wacker)

 
 

Im Juli 2012 besuche ich das Waisenhaus von SfC in Goma.

24 Augenpaare mustern den Besuch aus Deutschland zurückhaltend, aber sichtbar neugierig. Sie freuen sich und hüpfen vor Aufregung von einem Bein auf das andere und bei der Besichtigung des Heims folgen alle im Schlepptau.
Die Kinder sprechen Suaheli und lernen Französisch erst in der Schule, und meine Französisch-Schulzeit liegt 54 Jahre zurück. Die Sprachbarrieren sind also groß, verschwinden aber beim gemeinsamen Ballspiel und Singen.


 
 
 
 


Und dann prasseln schon die Fragen der Kinder auf mich ein: "Mein Pate heißt … Kennen Sie ihn? Was macht er, wie sieht er aus, hat er Kinder, kann ich Fotos bekommen?" Die größeren Kinder übersetzen für die kleineren. Da ich die meisten Paten nicht persönlich kenne, sind meine Auskünfte leider nur dürftig. Leider, leider - vor allem, wenn ich in die enttäuschten Gesichter sehe. Die Paten aus dem fernen Deutschland sind für die Kinder alles, was sie haben. Es begeistert sie, dass fremde Menschen sich für sie interessieren und möchten alles über sie und deren Familien wissen. Sie fühlen sich aus der Ferne bewacht und versorgt.

 
 

Da bin ich also und werde die nächsten 10 Tage hier im Heim verbringen. Das Büro des Heimleiters wird mein Schlafzimmer. Und nach dem Abendessen, als die Kleinen im Bett sind, schlägt die Stunde der größeren Kinder. Am meisten interessiert sie der Unterschied zwischen dem Kongo und Deutschland. Ja, wie soll ich den Jugendlichen erklären, dass so gut wie alles unterschiedlich ist. Und so fällt mir beim trüben Schein der Gaslaterne nur ein, dass im Gegensatz zu Goma bei uns Strom und Wasser jederzeit, Tag und Nacht verfügbar sind. Ganz schön wenig! Hier gibt es Wasser immer nur nachts, so zwischen 03.00 und 04.00 Uhr. Dann stehen die Heimmutter und der Hausmeister auf und lassen die Badewanne und alle Schüsseln und Töpfe volllaufen. Auch wenn es regnet, stehen Wannen bereit. Strom gibt es meistens ebenso um diese Nachtzeit. Wichtig, um Handy oder Laptop zu laden.

 
 
 
 
 
 
 

Am nächsten Morgen werde ich vom Gesang und munteren Geplapper der Kinder geweckt. Sie sind immer fröhlich und singen und tanzen viel. Das fällt auf.
Buyi, eine dickflüssige braune Masse, die die Kinder aus großen Bechern löffeln, gibt es zum Frühstück. Dazu werden manchmal frischgebackene Waffeln gegessen. Mittags sind meistens Reis und Bohnen angesagt. Oder Fufu, ein Kloß aus Maniokmehl. Jeden Tag. Ich muss gestehen, nach 8 Tagen gebe ich den größten Teil meiner Ration den Kindern. Ab da warten sie immer, wieviel ich esse und was sie davon bekommen.


 
 
 

Die Kinder spielen mit einem selbstgemachten „Mensch ärgere dich nicht“ oder mit Karten. Oder sie benützen die Fliesen der Terrasse als Spielfeld. Wer als Erster das andere Ende erreicht ist Sieger. Die Würfel werden aus ziemlich harten Früchten mit einer Rasierklinge selbst hergestellt und als Figuren dienen Steinchen, kleine Glasscherben, Dreckkügelchen oder Heftpflasterreste.

 
 
 
 



Einige Mädchen häkeln mit Stöckchen als Häkelnadel und aufgetrennter Wolle Umhängetaschen.


Jede deutsche Mutter bekäme einen Anfall, wenn sie sähe, wie Kasereka Pappe auf seinen Knien mit einer Rasierklinge bearbeitet. Am Ende kommt aber ohne Verletzung ein tolles Lastauto dabei heraus.

 
 
 
 


Und was prägt sich für mich am meisten ein? Die Begegnung mit den Kindern hat mich zutiefst davon überzeugt, dass unsere Arbeit hier in Deutschland richtig und wichtig ist. Die Kinder haben es verdient, eine Chance zu bekommen.

Und ich weiß, ich komme wieder!!!


 
 
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