2013 September - Sun for Children e.V.

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2013 September

Projekt Goma > Reiseberichte
 


Kurzfristig beschlossen wir im August 2013, eine weitere Reise nach Goma zu unternehmen, um das Projekt zur Aktivierung des Partnervereins Jua Kwa Watoto (JKW) und seine Einbindung in ein Netzwerk der in Goma mit vergleichbaren Zielen tätigen Hilfsorganisationen weiter voranzutreiben. Zu diesem Zweck hatten wir dieses Mal Vertreter all dieser Organisationen zu einem gemeinsamen Treffen im September eingeladen. Die Truppen der Rebellenarmee M23, die im Sommer 2013 unmittelbar vor Goma standen, konnten Ende August zurückgedrängt werden und die Situation in der Stadt hatte sich ein wenig entspannt, sodass wir unser Vorhaben beruhigt wahr machen konnten.
Nach unserer Ankunft nutzten wir den schulfreien Sonntag zu einem Besuch in unseren beiden Heimen. Prince, der Sohn von Mama Coletta, machte Kreisspiele mit den jüngeren Kindern im Heim JKW 1. Die Kinder lieben ihn sehr. Prince hat eine ganz besondere Begabung, mit ihnen umzugehen.


 
 
 
 
 
 
 
 
 






Die sieben großen Jungen trafen wir in ihrem kleinen Wohnheim, das wir JKW 2 nennen, an. Sie waren fleißig dabei, die Wohnung zu putzen und ihre Wäsche zu waschen. Sie finden es toll, selbständig den Haushalt führen zu können und machen es hervorragend.

 
 





Heimleiter Germain erzählte uns, dass sie leider wegen Problemen mit dem Vermieter nicht in dem jetzigen Haus wohnen bleiben können und nach einer neuen Wohnung Ausschau gehalten werden muss. Auf Dauer sollte der Verein über den Kauf eines Grundstückes und den Bau/Kauf eines eigenen Hauses nachdenken, denn andauernde Mietsteigerungen erschweren eine solide Finanzplanung.

 
 


In den nächsten Tagen führten wir Vorgespräche mit den Teilnehmern der für den 14. September 2013 geplanten Sitzung. Professor Kabutu, Pfarrer der Kirchengemeinde Bethsaida und leitender Direktor des von einer norwegischen Organisation betreuten Kinderheimes „DINA Foundation“, erzählte uns, dass seit einigen Monaten mehrere unserer Kinder im Chor der Gemeinde mitsingen.

 
 
 
 


Mit dem Verwaltungsleiter des DINA-Kinderheimes, in dem ca. 180 kriegsgeschädigte Mädchen leben, sprachen wir über die Möglichkeit, das von unseren Kindern einstudierte Theaterstück „Leben in einem friedlichen Dorf“ im DINA-Kinderheim, bei öffentlichen Veranstaltungen oder während eines Gottesdienstes aufzuführen. Es wurde beschlossen, dass DINA-Mitarbeiter mit Heimleiter Germain besprechen werden, wie sie gemeinsam Auftritte der Kinder organisieren können. Prince wird die regelmäßigen Proben mit den Kindern übernehmen und die notwendigen Kulissen werden von den Kindern gestaltet, um die Kosten möglichst gering zu halten.

Wir besuchten mit Joyce, der Sekretärin und Buchhalterin unseres Projektes in Goma, die ehemaligen Heimkinder Sabina und Emeraude, die wieder bei ihrer Mutter leben. Die beiden werden durch  Joyce, die im gleichen Viertel wohnt, betreut. Die Mutter der Kinder war über unseren Besuch gerührt und glücklich über die Mitteilung, dass Sun for Children zukünftig ihre Kinder durch Patenschaften für Sabina und Emeraude noch umfangreicher unterstützen kann. Die Kinder zeigten uns ihre neuen Schuluniformen und Emeraude erzählte uns, dass es sein größter Wunsch sei, einmal Arzt zu werden und Waisenkinder in Goma kostenlos zu behandeln.

Am Samstag, dem 14. September fand die geplante große Sitzung statt. Alle zwölf eingeladenen Personen waren anwesend und gemeinsam mit Brigitte, der Repräsentantin unseres Partnervereins JKW in Goma, besprachen und diskutierten wir von 09:00 bis 17:00 Uhr die zahlreichen Tagesordnungspunkte.

 
 
 
 


In intensiver Gruppenarbeit wurden am Nachmittag viele Ideen entwickelt, wie unser  Partnerverein durch die lokalen Organisationen gestärkt werden kann, um selbst finanzielle Mittel beschaffen und kleine Projekte durchführen zu können.

 
 
 
 


In der zweiten Woche besuchten wir Yvette und ihre Geschwister. Yvette war überaus glücklich, uns als Vertreter des Vereins Sun for Children wiederzusehen und freute sich über die mitgebrachten kleinen Geschenke. Diesmal waren alle neun Kinder zu Hause. Die drei Jüngsten waren gleich sehr zutraulich.

 
 
 
 



Stolz zeigten uns Yvette und ihr ältester Bruder Sylvain ihr Haus und den großen Garten, in dem sie und ihre Geschwister viele Gemüsebeete angelegt haben. Während der Hausbesichtigung stellten wir fest, dass u.a. das Dach reparaturbedürftig ist. Im Wohnzimmer stand ein Eimer, der das Wasser bei starkem Regen auffängt. Das gesamte Dach müsste mit Wellblech neu abgedeckt werden.

 
 

Yvette bedankte sich sehr für die Unterstützung durch Sun for Children, jedoch sei es ihr größter Wunsch, auf Dauer finanziell nicht vom Verein abhängig zu sein. Sie würde sehr gern auf dem Markt einen kleinen Stand zum Verkauf von eigenem Gemüse, Eiern usw. oder auch von Handykarten betreiben, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Geschwister selbst verdienen zu können. Natürlich möchte sie aber auch, genauso wie ihre anderen Geschwister, die Schule zu Ende führen. Sie stellt sich vor, dass ihr ältester Bruder Sylvain und sie sich bei der Aufsicht der jüngeren Geschwister abwechseln, indem einer von ihnen am Vormittag und der andere am Nachmittag die Schule besucht.

 
 


Eine weitere Mission unserer Reise war es, mit dem Heimleiter Germain über die Aufnahme neuer Kinder zu sprechen. Germain hatte bereits zwei Geschwisterkinder ins Auge gefasst, die nach dem Tod ihrer Eltern bei einem Überfall der Rebellen auf ihr Dorf im Flüchtlingscamp „Mugunga“ lebten.
Ca. 140.000 Menschen sind in drei großen Lagern rundum Goma untergebracht. Die Menschen wohnen in selbstgebauten Zelten (ein Gerüst aus Zweigen, aufgefüllt mit Bananenblättern). Manche haben ihre Zelte mit kaputten Plastikfolien abgedeckt. Sie schlafen auf dem nackten Boden ohne Decken. Dabei ist es nachts besonders kühl und feucht. Es gibt nichts zu essen. Die Menschen gehen in die Stadt zum Betteln oder sammeln vereinzelte Bohnen vom Boden, die sie in einer großen Konservendose in dem schmutzigen Wasser auf einem Feuerchen kochen. Die Feuerstelle besteht aus drei Konservendosen – dazwischen liegen ein paar Holzkohlen. Das Wasser zum Trinken und zum Kochen sammeln die Menschen aus den Pfützen.

 
 
 
 


Kurz vor Ende unseres Aufenthaltes brachte eine Frau den kleineren der beiden Jungen ins Heim und berichtete, dass der größere Bruder leider verschwunden sei. Wahrscheinlich war er bei der Suche nach etwas Essbarem auf dem Weg in die Stadt nicht zurückgekommen. Die Behörden würden aber weiterhin nach ihm suchen. Vor unserer Abreise konnten wir feststellen, dass der neu aufgenommene Junge sich dank der liebevollen Fürsorge von Mama Coletta und der großen Herzlichkeit, mit der unsere Kinder ihren neuen Bruder aufgenommen hatten, bereits gut integriert hatte.

In Anbetracht der unterschiedlichen schrecklichen Schicksale unserer Kinder hat der Verein ein großes Interesse an einer guten psychologischen Betreuung durch unsere Mitarbeiter. Der Heimleiter Germain hat eine Ausbildung auf dem Gebiet der psychologischen Betreuung gemacht und es ist das Ziel des Vereins, dass auch die übrigen Mitarbeiter eine entsprechende Weiterbildung bekommen.


 
 





In den Schulen werden die Kinder, sofern zeitlich möglich, durch Religionslehrer betreut.
Mit Herrn Kasereka Lutswamba besuchten wir eine Institution der baptistischen Kirche, die ein Konzept entwickelt hat, in dem planmäßig neue Fachlehrer zur Betreuung der seelisch verletzten Kinder ausgebildet und eingestellt werden. Da hierfür kein Geld vom Staat zur Verfügung steht, werden diese Lehrer von den Eltern bezahlt.


 
 





Wir lernten dort Patrice (r.) kennen, der uns ganz offen seine Lebensgeschichte erzählte, die typisch für viele Schicksale Jugendlicher in dieser Region ist.

 
 


Nachdem er im Alter von elf Jahren bei einem Rebellenüberfall auf sein Dorf seine Eltern verloren hatte, wurde er von Kämpfern der Mai-Mai-Rebellen aufgegriffen und in ihr Lager gebracht.
Dort wurde er zunächst zu Hilfsdiensten eingesetzt, dann aber schon bald zum „Soldaten“ ausgebildet und bei Kämpfen gegen die Regierungstruppen und gegen rivalisierende Rebellengruppen eingesetzt. Auch Überfälle auf die Zivilbevölkerung mit Plünderungen, Vergewaltigungen und Ermordungen gehörten zur Tagesordnung. Mit 17 Jahren hatte er es bereits bis zum „Capitaine“ gebracht und führte eine eigene Truppe. Die Kämpfe führten ihn irgendwann nach Goma, wo er zufälligerweise auf Streetworker der CBCA traf. Wie viele jugendliche Rebellen wollte auch Patrice das Plündern und Töten beenden. In Gesprächen konnten die Sozialarbeiter ihn davon überzeugen, seine damals abgebrochene Schulausbildung zu Ende zu führen. Im Jahr 2013 hat er mit gutem Erfolg seinen Abschluss gemacht! Dank der intensiven psychologischen Betreuung durch die CBCA fand Patrice den richtigen Weg und möchte heute selber als Sozialarbeiter anderen entgleisten Jugendlichen helfen, sich wieder in das normale Leben zu integrieren.

Diese Geschichte zeigt uns, dass sich hier die Dinge zum Besseren wenden, dass dies aber Zeit braucht und viel Engagement seitens der lokalen Organisationen, die sich mit der Wiedereingliederung der Opfer und der Täter des Bürgerkrieges im Ostkongo unermüdlich beschäftigen.


 
 






Die meisten unserer Kinder gehen in die Grundschule Kyeshero, in der nach der traditionellen Lernmethode des Frontal-unterrichts gelehrt wird.



 
 


Während seines Studienaufenthaltes in Deutschland hatten wir Herrn Jean Kasereka Lutswamba, den Koordinator der Schulen der CBCA (Gemeinschaft der Baptistischen Kirchen im Zentrum Afrikas) in den Provinzen Nord- und Südkivu, kennengelernt.

 
 
 
 


Mit ihm zusammen besuchten wir nun eine Grundschule, in der nach der partizipativen Lernmethode unterrichtet wird. Das heißt, die Schüler arbeiten zunächst allein an den gestellten Aufgaben. Danach besprechen sie ihre Arbeiten in Gruppen. Nachdem die Gruppensprecher die Ergebnisse an der Tafel vorgestellt haben, wird das Endergebnis gemeinsam mit dem Lehrer erarbeitet. Der Lehrer achtet darauf, dass die Zusammensetzung der Gruppen  stets wechselt.

 
 
 
 


Selbstverständlich ist diese Lernmethode zeitaufwendig, sodass nur ein Teil der Unterrichtsstunden so gestaltet werden kann. Die restlichen Stunden werden nach dem üblichen, traditionellen Prinzip gehalten, indem die Schüler in Sprechchören auf Fragen der Lehrer antworten. Der bisher autoritäre Unterrichtsstil hat sich durch die partizipative Pädagogik deutlich verändert und die Kinder haben gelernt, ihre Arbeiten ohne Furcht unterein-ander und mit ihrem Lehrer zu diskutieren.
Mehrmals im Jahr bietet die Bildungsabteilung der CBCA zweiwöchige Fortbildungen an, an denen auch Lehrer anderer Konfessions-Schulen in Goma und Umgebung teilnehmen können. In diesen Kursen werden didaktische Methoden wie Einzel- und Gruppenarbeit, Partnerarbeit und Rollenspiele vorgestellt. Auch Psychologie und Kommunikationsübungen sind in dem Programm enthalten.
Wir hoffen, dass die partizipative Pädagogik immer mehr Fuß im Kongo fasst, damit möglichst viele Kinder zukünftig vom gemeinschaftlichen Lernen profitieren können.

Für den letzten Samstag unseres Aufenthaltes war ein Ausflug ins Grüne mit allen Kindern geplant. Hierfür mussten Fahrzeuge gechartert und über einen angemessenen Mietpreis verhandelt werden.


 
 




Schließlich standen um 14:00 Uhr zwei Kleinbusse, vollgetankt und bepackt mit herzhaften und süßen Leckereien und Getränken, zur Abfahrt bereit. Auf jeder Sitzbank nahmen fünf bis sechs Kinder Platz und dann ging es los - zum „Lac Vert“, dem grünen See in der Nähe von Goma.


 
 


Nach etwa einer halben Stunde war die Reise bereits zu Ende - dachten wir. Einer der beiden Busse hatte eine technische Panne! Trotz mangelnden Reparaturwerkzeugs war der Defekt jedoch nach einer guten halben Stunde bereits behoben und nach weiteren 30 Minuten erreichten wir den im „Tal der Hügel“ liegenden, grün schillernden See.

 
 
 
 







Unter einem Baum vor dem warmen Regen geschützt ließen wir uns das herrliche Picknick schmecken. Es war genug da, so dass auch die vielen fremden Kinder, die uns neugierig umkreisten, versorgt werden konnten.

 
 


Am Ende unserer Reise stand noch ein ganz großes Ereignis bevor. Am Sonntag sollten sechs unserer Jungen in der Kirchengemeinde Bethsaida getauft und der Tag mit einem großen Fest mit mehr als 20 geladenen Gästen beendet werden.

 
 



Um 9:00 Uhr trafen wir uns mit Pastor Kabutu vor der Kirche. Er zeigte uns das im großen Garten befindliche Taufbecken. Viele Kinder hatten sich bereits um das Becken versammelt und ein Trommler und ein Gitarrist gesellten sich zu uns. Aus der Ferne schallte der Gesang einer jungen Frau herüber, die die Täuflinge zum Becken begleitete. Pastor Kabutu erklärte den Taufvorgang, während die Jungen mit gefalteten Händen auf ihren großen Augenblick warteten.


 
 


Der jüngste Täufling Maliki stieg als erster in das Taufbecken. Rücklings wurden die Täuflinge ins Wasser getaucht.

 
 
 
 


Nach der Zeremonie traf sich die Gemeinde in der Kirche. Auch die anderen Kinder aus dem Heim waren angekommen und nun wurden die Täuflinge offiziell in die Gemeinde aufgenommen und von den Pfarrern aus den umliegenden Gemeinden beglückwünscht. Langweilig war der dreistündige Gottesdienst auf keinen Fall! Denn mehrere Chöre trugen ihre Lieder vor, begleitet von Schlagzeug, Trommeln und Gitarren und die Gemeinde tanzte ausgelassen.

 
 
 
 
 
 
 


Inzwischen bereiteten Mama Coletta, Joyce und Hausmeister Akili das Festessen zu und wurden dabei von der Mutter von Emeraude und Sabina und einer Kusine von Joyce tatkräftig unterstützt. Insgesamt 60 Personen mussten bekocht werden!

Es wurde ein schönes Fest. Alle Gäste nahmen im Garten auf den ausgeliehenen blauen  Plastikstühlen Platz und zum ersten Mal führten die Kinder ihr Theaterstück unter viel Beifall vor Publikum auf.


 
 
 
 


Anschließend luden unsere fleißigen Mitarbeiter alle Gäste zum Buffet, das im Salon aufgebaut war, ein. Dabei waren unsere größeren Jungen sowie Yvette und Sabina immer zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wurde.

 
 
 
 

Um 17 Uhr verließen die letzten Gäste das Heim und die Aufräumaktion wurde gestartet, wobei alle mithalfen.

 
 
 
 


Pünktlich vor Einbruch der Dunkelheit sahen Hof, Salon und Küche wieder ordentlich aus.

Zum Schluss wurden noch ein paar Gruppenfotos gemacht. Danach verabschiedeten wir uns von den Kindern und versprachen ihnen, dass im nächsten Jahr wieder Vertreter von Sun for Children sie besuchen werden.

 
 







Die sieben älteren Jungen unseres zweiten Heimes mit dem Betreuerteam

 
 



Abschiedsfoto mit allen 31 von "Sun for Children" betreuten Kindern und dem Betreuerteam von "Jua Kwa Watoto"


 
 
 
 


Am Tag unserer Abreise trafen wir uns noch einmal mit Vertretern unseres Partnervereins Jua Kwa Watoto und den Mitarbeitern der CBCA (Communauté Baptiste au Centre d´Afrique = Gemeinschaft der Baptistischen Kirchen in Zentralafrika). Es wurde ein Termin für eine Folgesitzung festgelegt, zu der alle Anwesenden der Sitzung vom 14.09.2013 eingeladen werden sollten, um eine Strategie zu entwickeln, wie in Goma gemeinsam die Ziele von JKW / Sun for Children erreicht werden könnten.

 
 

Mit dem Wunsch auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit verabschiedeten wir uns von allen und machten uns auf den Weg zum Flughafen Kigali in Ruanda.

 
 
 
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