Januar 2013 Teil 1 - Sun for Children e.V.

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Januar 2013 Teil 1

Projekt Goma > Reiseberichte > 2013 Januar
 


Im Januar/Februar 2013 reisten unsere Vorstandsmitglieder Willeke und Thomas Kliesow nach Goma, um die weitere Zusammenarbeit abzusprechen, unser Projekt innerhalb Gomas und des Ostkongo bekannter zu machen, sich mit anderen Organisationen mit zum Teil ähnlichen Ansätzen auszutauschen und ein Netzwerk von wichtigen Bekanntschaften zu knüpfen.

 
 
 
 
 
 

Frauen in Goma bei ihrer täglichen Arbeit!

 
 


Hier lesen Sie den Bericht über ihre Reise und die Ergebnisse ihrer Aktivitäten, umrahmt von interessanten Bildern:

Voller Vorfreude auf das Wiedersehen mit unseren Kindern und Mitarbeitern, mit einigen wichtigen Aufgaben für den Verein und vier Koffern, gefüllt mit netten Mitbringseln reisten wir am 25. Januar mit Ethiopian Airlines von Frankfurt über Addis Ababa und Kigali Richtung Goma. Das Hauptziel unserer Reise bestand darin, unser soziales Netzwerk in Goma, welches für die Entwicklung unseres Partnervereins Jua Kwa Watoto von großer Bedeutung ist, auszubauen. Leider mussten wir die erste Nacht in Kigali verbringen, da zu der Zeit  der Grenzübergang zwischen Ruanda und Kongo in Gisenyi aus Sicherheitsgründen täglich um 18 Uhr geschlossen wurde.

 
 

Am nächsten Morgen fuhren wir um 10 Uhr mit dem Busunternehmen Virunga Express ab. Nach einer dreistündigen Fahrt über die  gut asphaltierten Straßen in Ruanda  kamen wir entspannt und ausgeruht in Goma an. An der Grenze erwarteten uns unser Heimleiter Germain und ein Mitarbeiter der ULPGL (Université Libre des Pays des Grands Lacs), der größten Universität in Goma, die uns zu unserem Hotel brachten.

 
 
 
 
 

Wir hatten uns dazu entschlossen, nicht im Heim zu wohnen, damit wir den Tagesablauf der Kinder so wenig wie möglich stören und den  Betreuern keine zusätzliche Arbeit machen. Es stellte sich als die richtige Entscheidung heraus. Denn auf diese Weise konnten wir all unseren Gesprächsterminen nachkommen, ohne Rücksicht auf den Ablauf im Zentrum nehmen zu müssen. So freuten sich die Kinder  jeden Tag aufs Neue über unseren Besuch.

 
 






27. Januar

Aufgeregt erwarteten uns im Heim unsere 22 Kinder! Wir waren erstaunt, wie groß die sechs Mädchen im Alter von 10 bis 13 Jahren und die 16 Jungen von 8 bis 17 Jahren in den vergangenen 1 ½ Jahren geworden waren!

 
 


Die ersten zwei Tage verbrachten wir damit, uns ein Bild von der aktuellen Situation in Goma zu machen:
Am 21. November 2012 waren große Teile der Stadt von der gegen die Zentralregierung unter Präsident Kabila kämpfenden Rebellenbewegung M23 eingenommen worden. Die dort stationierten UNO-Friedenstruppen (MONUSCO)
griffen im Gegensatz zu früheren Aktivitäten nicht ein. Am 1. Dezember begannen die Rebellen sich nach Ablauf eines Ultimatums der Internationalen Konferenz der Großen Seen Afrikas und zweier Resolutionen des UN-Sicherheitsrates aus der Stadt zurückzuziehen. Danach begannen Friedensverhandlungen in Kampala/Uganda zwischen der Regierung des Kongo und den Rebellen, die zum Zeitpunkt unseres Besuches noch andauerten. In der Stadt war es ruhig, die Menschen gingen ihren täglichen Geschäften nach. Auffällig war die starke Präsenz von kongolesischem Militär, UNO-Truppen und bewaffneter Polizei auf den Straßen, was allerdings auf uns eher beruhigend wirkte. Die Menschen machten auf uns einen relativ entspannten Eindruck und waren uns gegenüber vertrauensvoll und sehr freundlich. Sie schienen sich sehr darüber zu freuen, dass sich trotz der unsicheren Lage in der Region Menschen trauen, in den Kongo zu reisen!


 
 
 
 
 


30. Januar

Am Mittwoch starteten wir unsere erste Aufgabe. Gemeinsam mit Germain besuchten wir die CBCA (Communauté Baptiste au Centre d’Afrique), eine große Organisation der Baptisten-Kirche in Zentralafrika. Herr Polisi Kivava, Leiter der Abteilung Diakonie der CBCA, informierte uns,  dass die CBCA es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben sieht, die große Zahl der Straßenkinder in der Stadt Goma auf ein Minimum zu reduzieren. In Zusammenarbeit mit der „Kinderpolizei“, einer Behörde zum Schutz der Kinder in Goma, bietet die CBCA  Kindern, die auf der Straße leben, die Unterstützung der Kirche an, mit dem Ziel, dass sie den Weg zurück in ihr Elternhaus oder zu anderen Familienangehörigen finden.
Sozialarbeiter der Abteilung Diakonie versuchen in langen, schwierigen Gesprächen die Eltern davon zu überzeugen, ihre vom richtigen Weg abgekommenen Sprösslinge wieder aufzunehmen. Sie helfen ebenfalls bei der Suche nach Schul- und Ausbildungsplätzen und führen jede Woche Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen, den Eltern, Lehrern und Leitern der Ausbildungsstätten.
Sun for Children strebt eine Kooperation mit der CBCA an, die dem Verein bei der Entwicklung und dem Erreichen seiner Ziele sehr nützlich sein kann.
Außerdem sprachen wir mit Herrn Polisi über einen möglichen Materialtransport per Container (Computer, die wir von einer Schule gespendet bekommen haben) von Deutschland nach Goma. Herr Polisi war früher Mitarbeiter bei der VEM (Vereinte Evangelische Mission)
mit Sitz in Wuppertal, die regelmäßig Container in den Kongo transportiert.
Diese Transporte werden zunächst zu der Hafenstadt Dar es Salaam in Tansania durchgeführt und von dort über Land in den Kongo weitergeleitet. Das Problem ist, dass die tansanischen Behörden bisweilen diese Weiterleitung untersagen und die gesamte Containerladung im Land behalten. Wann der nächste Transport stattfinden wird, war Herrn Polisi leider nicht bekannt. Er versprach uns, seinen Ansprechpartner der VEM über unser Anliegen zu informieren. Wir erhielten von ihm auch die Kontaktdaten der VEM mit dem Hinweis, uns bei einer Kontaktaufnahme auf ihn zu berufen.
Prof. Dr. Peter Merten, der für das große Entwicklungshilfewerk der evangelischen Kirche in Berlin als Universitätsmanager bei der ULPGL arbeitet, informierte uns, dass die ULPGL
demnächst einen Container mit ca. 1000 Büchern der Uni Würzburg über die VEM erhalten wird und wir dann eventuell eine kleine Ecke im Container reservieren könnten.


 
 

Unsere zweite Aufgabe war, unser Kinderheim mit anderen Waisenheimen in Goma und Umgebung zu vernetzen.

 
 

Am gleichen Tag trafen wir kurz vor Mittag Prof. Kabutu auf dem Gelände der Universität ULPGL. Er war früher Rektor der Uni gewesen und ist jetzt Pfarrer der Pfingstgemeinde Bethsaida.
Wir besuchten mit ihm das von ihm gegründete und geleitete Zentrum für zurzeit 30 Straßenkinder im Pfarrbezirk Bethsaida. Auf dem Grundstück der Kirchengemeinde befinden sich auch eine Grundschule, eine Bibliothek und eine Krankenstation.


 
 

Außerdem wurde hier im September 2011 auf Initiative von Prof. Kabutu die kleine Universität der besonderen Art „ISTAD“ (Institut Supérieur Technique, des Arts et de Développement) eröffnet. Sie besitzt sechs Fakultäten: Medizintechnik, Entwicklungspolitik, Informatik sowie die Studienrichtungen traditionelle Musik und Instrumente im Kongo, Schauspiel und Tanz. Hier werden junge Menschen in drei Jahren u.a. zu Komponisten, Musiktherapeuten und -wissenschaftlern ausgebildet. Zielgruppe dieser Studienzweige sind insbesondere Jugendliche, Straßenkinder, Waisenkinder und Kinder, welchen Gewalt angetan wurde: Musik verschafft den jungen Menschen Lebensfreude und gibt ihnen eine Idee von Frieden und von friedlichem Zusammenleben. Musik könnte eine wesentliche informative und bildende Rolle im Osten der Dem. Rep. Kongo und in der ganzen Region der Großen Seen spielen. Die Ausbildung an der Uni ISTAD ist etwa vergleichbar mit der Ausbildung an der Kunstakademie „Institut National des Arts“ in Kinshasa.

 
 
 
 
 


Prof. Kabutu ist auch Leiter des großen Waisenhauses DINA, einer Einrichtung für kriegsgeschädigte Mädchen und junge Frauen, finanziert von der norwegischen Organisation DINA FOUNDATION. Hier leben ca. 185 Mädchen und junge Frauen im Alter von 2 bis 20, die nach ihren schrecklichen Erlebnissen im Krieg aufgenommen wurden: wenn es dieses große Heim nicht gäbe, müssten sie ein elendes Leben auf der Straße führen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 







Auf dem Gelände der DINA Foundation gibt es weiterhin eine Grundschule und eine Nähstube, in der die Mädchen eine Näherinnenausbildung machen können, sowie eine Krankenstation.

 
 






Zur Selbstversorgung und für den Verkauf auf dem lokalen Markt werden Kaninchen gezüchtet und wird Gemüse angebaut.

 
 


Im Anschluss an unseren Besuch im DINA begleitete Prof. Kabutu uns spontan zu unserem Heim und ließ sich die gesamte Einrichtung zeigen. Er war sichtlich gerührt von seinen Eindrücken über die Kinder, das Haus und die Arbeit von Coletta, unserer Heimmutter, die die Kinder rund um die Uhr betreut. Als Zeichen seiner Anerkennung bot er unseren Kindern an, dass sie zukünftig jeden Sonntag mit dem Bus der DINA Foundation zum Gottesdienst im Pfarrbezirk Bethsaida abgeholt werden können. Bei einem weiteren Treffen schlug Prof. Kabutu den Kindern vor, in einem der Kinderchöre in der Gemeinde Bethsaida mitzusingen! Die Freude der Kinder war riesengroß und seit unserer Abreise kommt nun regelmäßig einmal pro Woche ein Mitglied des Pfarrbezirks Bethsaida in unser Zentrum, um mit ihnen die Chorlieder zu üben, damit sie sie dann in der Kirche singen können.

 
 
 
 
 



31. Januar
Am Donnerstag starteten wir unsere dritte Aufgabe:  

Mit dem Mototaxi  fuhren wir zu APIBA (Association d'Appui aux Initiatives de Base). Der Leiter der Organisation, Herr Jerry Shungu, erklärte uns, dass APIBA ein Zusammenschluss von 16 Handwerksorganisationen ist, die bei der Suche nach handwerklichen Ausbildungs-  bzw. Arbeitsplätzen behilflich sind und Berufsschüler mit einem sehr guten oder überdurchschnittlichen Abschluss durch die Vergabe von Kleinkrediten bei der Existenzgründung unterstützen. Des Weiteren informierte Herr Shungu uns, dass eine Berufsausbildung für bestimmte Berufe bereits nach der 6. Klasse der Grundschule bzw. auch nach der zweiten Klasse der weiterführenden Schule möglich ist, vorausgesetzt, dass die Jugendlichen mindestens 13 Jahre alt sind. Wir vereinbarten, den Kontakt mit ihm für mögliche Unterstützung bei der Lehrstellensuche für unsere Kinder aufrechtzuerhalten.


 
 
 
 


1. Februar

Am Samstag besuchten wir mit Professor Kabutu ein weiteres in der Entwicklung befindliches Waisenkinderprojekt in der Nähe von Sake, einer 23 km westlich von Goma direkt am Ufer des Kivu-Sees gelegenen kleinen Stadt. Das Projekt befindet sich in unmittelbarer Nähe  des dortigen Militärcamps der MONUSCO (United Nations Organization Stabilization Mission in the DR Congo), das zu der Zeit von indischem Militär betrieben wurde. Hier möchte Prof. Kabutu  in Kooperation mit anderen Hilfsorganisationen eine „Cité des enfants“ (Stadt der Kinder) mit einer Schule, einer Krankenstation, einer Kirche und verschiedenen Werkstätten sowie einer Berufsschule mit einem dazu gehörenden Wohnheim aufbauen. Dieses Projekt ist beispielhaft für das Projekt, das wir von Sun for Children ebenfalls als langfristiges Ziel anvisieren.


 
 
 
 
 


Der Colonel lud uns in sein Quartier ein und erzählte stolz, dass die indischen Soldaten seit Beginn ihres Einsatzes im Kongo viel Gutes für die Bevölkerung getan haben. Unter anderem haben sie in und rundum Sake Wasser- und Stromleitungen verlegt, eine Schule gebaut und versorgen die Kinder regelmäßig mit dem nötigten Schulmaterial und mit Schuhen.



 
 
 
 
 
 
 
 
 


Unsere vierte Aufgabe bestand darin, eine Wohnung für unsere sieben älteren Jungen zu finden. Germain hatte sehr gut vorgearbeitet und bereits eine schöne, kleine Wohnung in einer Parallelstraße etwa 400 m Fußweg vom bisherigen Zentrum entfernt gefunden. An diesem Nachmittag konnten wir die kleine Wohnung besichtigen. Sie befindet sich im Erdgeschoss eines Wohnhauses auf einem abgeschlossenen Grundstück mit einem weiteren Wohnhaus, in dem die Hauseigentümer mit ihren sieben Kindern wohnen. Die Eigentümerin sagte uns, dass sie regelmäßig einen Blick auf unsere Jungen werfen könnte, da sie tagsüber zu Hause ist.

 
 
 
 
 
 
 


Die Wohnung besteht aus einem Salon, zwei Schlafräumen, einem Waschraum mit Dusche, Waschbecken und WC, einer Küche, einem Abstellraum und einer kleinen Terrasse. Es gibt Unterbringungsmöglichkeiten für 8 Jugendliche, d.h. ein weiterer Junge könnte noch in der Wohnung untergebracht werden. Beim Erreichen des entsprechenden Alters unserer Jugendlichen in ca. drei Jahren werden wir dann nach einer größeren Wohnung Ausschau halten müssen.
Die Zeichnung des Hauses  und der Grundriss wurden von dem dreizehnjährigen Kasereka angefertigt.

 
 


Das Haus hat einen Trinkwasseranschluss und zwei zusätzliche große Wassertanks. Außerdem verfügt das Haupthaus über eine Solaranlage, mit der beide Wohnhäuser auf dem Grundstück mit Strom versorgt werden können.
Germain schlug vor, täglich morgens und abends bei den Jungen Kontrollen zu machen sowie jeden Samstag ein Feedback-Gespräch zu führen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. So sollte keine weitere zusätzliche Betreuungskraft erforderlich sein. Omari, der Älteste in dem kleinen, neuen Wohnheim, wird außerdem mit einem Handy in ständigem Kontakt mit der Heimleitung sein.
Die Jungen wurden von Mama Coletta auf die neuen Aufgaben in ihrer Selbständigkeit sehr gut vorbereitet; alle Kinder haben bei ihr das Zubereiten von Mahlzeiten gelernt und wissen, wie man ein Haus sauber hält, sodass sie sich gut selbst versorgen können.

 
 


2. Februar

An diesem Sonntag besuchten wir mit unseren Kindern einen Gottesdienst in der Kirche der Pflingstgemeinde Bethsaida. Die Kinder wurden wie von Prof. Kabutu  versprochen mit dem Bus der DINA Foundation abgeholt. Auch Mama Coletta und ihr Sohn Prince waren dabei. Prof. Kabutu erwartete uns bereits. An diesem Gottesdienst nahmen fünf Chöre teil, darunter drei Kinderchöre. Während des 3 ½ stündigen Gottesdienstes gab es nur zwei kurze Predigten von jeweils ca. 20 Minuten. Unsere Kinder wurden der Gemeinde vorgestellt und die Arbeit von unseren Mitarbeitern in den höchsten Tönen gelobt.


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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