Januar 2013 Teil 2 - Sun for Children e.V.

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Januar 2013 Teil 2

Projekt Goma > Reiseberichte > 2013 Januar
 
 
 
 
 
 
 
 
 


4. Februar

Am Montag hatten wir einen Austausch  mit Prof. Karafuli in der Uni ULPGL.
Prof. Karafuli führte uns über das große Universitätsgelände. Wir staunten über die große Anlage und bewunderten die vielen schönen Skulpturen, die ein ehemaliger Student der Universität gespendet hatte.
Auf dem Gelände befindet sich eine Kinderkrippe für bis zu 20 Kinder im Alter von 2 Monaten bis zu 3 Jahren. Hier können Studentinnen ihren Nachwuchs abgeben, um in Ruhe den Vorlesungen folgen zu können.
Außerdem gibt es ein kleines Nähausbildungszentrum für Studentinnen  und junge Mütter aus dem Viertel sowie eine Lehrküche, die von Ike Merten, Ehefrau von Prof. Dr. Peter Merten mit betreut wird. Des Weiteren befindet sich dort ein Kindergarten mit drei Gruppen für 3-, 4- und 5-Jährige, eine Grundschule und die weiterführende Schule Metanoya, die von unseren älteren Kindern besucht wird. Die Schule liegt etwa 20 Fußminuten von unserem Heim entfernt. Die Universität  hat eigene Schulbusse, die es Schülern und Studenten aus entfernteren Vierteln ermöglichen, die Uni zu besuchen. Auf einem weiteren Gelände der Uni existiert ein kleines Institut für Taubstumme, eine seltene Einrichtung im Kongo.

 
 
 
 
 


5. Februar

Am Dienstag besuchten wir mit unserer Finanzverwalterin/Sekretärin Joyce und Germain die Schule unserer jüngeren Kinder im Stadtviertel Kyeshero. Unsere fünfte Aufgabe war der Austausch mit dem Leiter der Grundschule Kyeshero Direktor Wimana.
Auf unsere Frage „was passiert mit Kindern, die die Aufnahmeprüfung zur weiterführenden Schule nicht bestehen“ antwortete Dir. Wimana: „Wenn die Schüler nicht beim ersten Mal erfolgreich sind, wiederholen sie die 6. Klasse und werden so vorbereitet, dass dann alle die Prüfung mit Erfolg ablegen können“. Die Prüfung ist einheitlich im gesamten Kongo und wird überall zur selben Zeit durchgeführt. (Teste national du fin d´études primaires – TENFEP)
Des Weiteren klärte Dir. Wimana uns auf, dass Lehrer vom Staat  56 US$ im Monat Grundgehalt bekommen und dieses Gehalt durch einen Teil des von den Eltern zu zahlenden Schulgeldes aufgestockt wird. Somit haben die Lehrer ein Monatseinkommen von ca. 220 US$.
Dir. Wimana lobte die hervorragende Arbeit von Germain und Joyce. Er lobte auch die Leistungen und das Benehmen unserer Kinder!
Germain geht mindestens 1 x pro Woche in die Schule und erkundigt sich bei den Lehrern und dem Direktor nach den Leistungen und dem Verhalten jedes einzelnen Kindes. Die Lehrer besprechen mit ihm die Schwächen der Kinder, sodass Germain bei Bedarf nachmittags mit ihnen entsprechende Unterrichtsstoffe wiederholen kann. Das Ergebnis seiner Tätigkeit als Hauslehrer lässt sich sehen, denn die Leistungen von fast allen Kindern liegen im oberen Drittel ihrer jeweiligen Klasse.
Dir. Wimana bedankte sich auch für die finanzielle Unterstützung durch Sun for Children, die es mehreren Kindern aus besonders hilfsbedürftigen Familien ermöglicht, die Schule zu besuchen.

 
 
 
 
 
 
 
 


Nach dem Gespräch mit Dir. Wimana konnten wir am Mathematikunterricht in der 6. Klasse, in die unsere Kinder Christelle, Muleyi und Maliki gingen, teilnehmen. Muleyi musste eine Aufgabe an der Tafel lösen und machte das hervorragend. Alle Kinder in der Klasse waren sehr diszipliniert und beteiligten sich intensiv am Unterricht. Bei Fehlern wurde kein Kind entmutigt, negative Reaktionen der Mitschüler wurden durch den Lehrer sofort unterbunden. Richtige Antworten wurden vom Lehrer mit „Bravo!“ gelobt, woraufhin alle Mitschüler einmal synchron in die Hände klatschten. Dieser Unterricht ist ein Beispiel für die in Afrika fast überall angewandte Methode des Frontalunterrichts. In einigen Schulen im Kongo wird inzwischen auch die aktive und partizipative Unterrichtsmethode angewandt. Bei Interesse können der Schulleiter und weitere Lehrer der Schule sich für eine solche Fortbildung bei der CBCA anmelden.

 
 
 
 
 


Am Nachmittag hatten wir viel Zeit um mit den Kindern zu malen, zu spielen und zu singen. Das neue Sprungseil wurde aus dem Schrank geholt, die Jungen zeigten uns akrobatische Kunststücke und  ihr Basketballgeschick an einem aus einem Mülleimerdeckel selbst gebastelten und an der Hauswand befestigten Korb. Einige Mädchen häkelten weiter an den Taschen, die sie ihren Patinnen schenken wollten. Es wurden Lieder gesungen, getanzt und Klatschspiele gemacht.
Zur späteren Stunde schauten wir gemeinsam mit ihnen eines der französischsprachigen Videos an, die wir ihnen mitgebracht hatten. Die Kinder waren überglücklich über den neuen DVD-Player.


 
 
 
 


6. Februar

Am Mittwoch gab es Unruhen in der Region rund um Goma:
Laut einem kongolesischen Rundfunksenders stünden Truppen der M23 ca. 1 km vor dem Flughafen Goma. Das reguläre Militär habe angekündigt, dieses Mal die Stadt Goma zu verteidigen. An der ULPGL ist man beunruhigt und es wurde darüber diskutiert, sich auf eine schnelle Ausreise vorzubereiten. Angeblich sollte es Listen von Familien geben, die eliminiert werden sollten. Glücklicherweise blieb es aber in der Stadt weiterhin ruhig.

Unsere sechste Aufgabe war der Austausch mit Herrn Mukuza, der uns anlässlich einer kurzen Dienstreise nach Goma an diesem Nachmittag besuchte. Herr Mukuza ist Leiter des großen und in der Region anerkanntesten Berufsausbildungs-
zentrums CAPA (Centre d’Apprentissage Professionnel et Artisanal).
Neben einer möglichen Unterstützung durch CAPA bei der Berufsausbildungswahl unserer Kinder wollten wir Herrn Mukuza ebenfalls um seine beratende Unterstützung bei der Weiterentwicklung unseres Partnervereins Jua Kwa Watoto bitten. Herr Mukuza bot an, bei der Erstellung des wichtigen Strategiepapiers für JKW beratend behilflich zu sein. Wir sind darüber sehr glücklich, zumal Herr Mukuza neben seiner Tätigkeit als Leiter von CAPA in Bukavu auch ein Büro für Planung und Qualitätssicherung leitet und dabei ganz eng mit lokalen NGOs zusammenarbeitet.
Herr Mukuza hielt es für sehr wichtig, dass wir Reverent Dr. Kakule Molo, den Präsidenten der CBCA, kennenlernen und arrangierte ein Gespräch für den nächsten Tag mit ihm.


 
 

7. Februar

Am Donnerstag trafen wir gemeinsam mit Herrn Mukuza und Germain Dr. Kakule Molo. Dieses Gespräch hat sehr viel zu unserem Verständnis der aktuellen Lage in Goma beigetragen.
Dr. Kakule Molo begrüßte uns ganz herzlich und lobte unseren Mut, dass wir trotz der unsicheren Lage in Nordkivu unsere Reise angetreten haben. Er betonte mehrmals, wie wichtig es ist, dass Besucher in den Kongo kommen, weil es dadurch viel einfacher ist, die wahren Umstände der aktuellen Lage und deren Hintergründe verständlich zu machen.
Er erklärte uns ausführlich die Probleme in der Region Kivu, die einerseits durch die nicht ausreichende oder sogar fehlende Unterstützung durch die Zentralregierung in Kinshasa begründet sind. Dr. Kakule Molo warf des Weiteren der ruandischen Regierung von Paul Kagame vor, durch finanzielle und materielle Unterstützung verschiedener Rebellenarmeen im Ostkongo die Region zu destabilisieren um auf diese Weise an die Bodenschätze zu kommen. Er nannte als Beispiel die M23 (Mouvement du 23-Mars) – eine Nachfolgeorganisation der CNDP (Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes) des Generals Laurent Nkunda und wies darauf hin, dass in einem UN-Bericht vom Juli 2012 über die Unterstützung der M23 durch Ruanda, aber auch durch das benachbarte Uganda, berichtet wurde.
Insgesamt beschrieb er eine kaum durchschaubare Vielfalt von unterschiedlichen Rebellenorganisationen der Hutus, Tutsis und anderer Gruppierungen sowie die relativ hilflose Haltung der regulären kongolesischen Armee FARDC. Es fiel uns schwer, diese ganzen Informationen zu verarbeiten.

 
 


Zum Schluss dankte er uns nochmals für unsere Anwesenheit in Goma, die zeigt, dass die Menschen in dieser so schwer geprüften Region von der Welt nicht alleingelassen werden. Unserer Meinung nach deutlich zu viel der Ehre. Wir versprachen ihm, in unserer Heimat über die Situation zu berichten; vor allem aber auch über die vielen engagierten Menschen im Kongo, die sich nicht entmutigen lassen, sich für den Frieden einsetzen. Am Abend reiste Herr Mukuza nach Bukavu zurück, um uns dort am nächsten Tag empfangen zu können.

 
 
 
 
 


8. Februar

Am Freitag reisten wir mit dem Schnellboot nach Bukavu. Innerhalb von 3 Stunden legten wir die Strecke von etwa 120 km über den Kivusee zurück. Bukavu ist die Hauptstadt der Provinz Südkivu und liegt am südwestlichen Ufer des Kivusees. Bukavu grenzt an die ruandische Stadt Cyangugu. Durch die lange Regenzeit von September bis Mai ist die Landschaft hier sattgrün. Gleichzeitig können aber durch die starken, lang anhaltenden Regenfälle immer wieder Teile der wunderschönen Landschaft mit einer dicken rotbraunen Schlammmasse bedeckt werden.

 
 






Wir wurden von Herrn Mukuza am Hafen abgeholt. Anschließend besichtigten wir die verschiedenen Ausbildungswerk- stätten und Unterrichtsräume von CAPA, einem Berufsausbildungszentrum, das in seiner Art und mit seinem Erfolg vielleicht einmalig auf der Welt ist.


 
 
 
 
 



Danach besuchten wir ein kleines Schuhmacheratelier (CAPA-Cuir = Leder) das von einem ehemaligen Auszu- bildenden von CAPA geführt wird. Nach erfolgreichem Abschluss der Berufs- ausbildung mit einem Zertifikat und dem „Brevet d’aptitude professionnelle“ vergleichbar mit einem Lehrbrief, können Absolventen von CAPA  mit einem Mikro- kredit unterstützt werden. Dieser Schuh- machermeister bildet jetzt nach einer sechsmonatigen Ausbildung und einem dreimonatigen Praktikum bereits selbst fünf Mitarbeiter auf engstem Raum aus.



 
 
 
 
 

9. Februar

Am Samstag machten Herr Mukuza und einer seiner Mitarbeiter mit uns eine längere Stadtrundfahrt und zeigten uns das ansprechende Zentrum von Bukavu mit der wunderschönen Kathedrale und den vielen noch gut erhaltenen Gebäuden aus der Kolonialzeit Belgiens, die Geschäftsviertel, aber auch die Elends- viertel, in denen die Menschen unter schlimmsten Bedingungen leben. Diese Gebiete befinden sich überwiegend an Steilhängen, an denen es nach schweren Regengüssen immer wieder zu Erd- rutschen kommt. Insgesamt ist Bukavu eine quirlige Stadt mit einer relativ guten Infrastruktur.

 
 
 
 
 
 

Bebaute Steilhänge, ständig von Erdrutschen bedroht

 
 


Anschließend besuchten wir das Krankenhaus PANZI, das auf einem Hügel oberhalb der Stadt liegt. Das PANZI Krankenhaus ist auf die Behandlung von Opfern sexueller Gewalt spezialisiert und hierfür weltweit bekannt. Wir wurden von dem Leiter des Krankenhauses, Dr. Denis Mukwege herzlich empfangen und anschließend von dem Leiter der Verwaltung, Herrn Maurice Liwok, auf dem schönen, sauberen Krankenhaus- gelände herumgeführt.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Am Nachmittag besuchten wir das SOS-Kinderdorf, idyllisch auf einem Hügel oberhalb von Bukavu gelegen, mit einem herrlichen Blick auf den Kivusee.
Die Organisation SOS-Kinderdorf
möchte Waisenkindern ein Leben wie in einer „normalen“ Familie ermöglichen. Daher wohnen in einem Haus immer nur 10 Kinder mit ihrer Betreuerin. Insgesamt leben im Dorf etwa 150 Kinder. Auf dem weitläufigen, parkähnlichen Gelände befinden sich ebenfalls eine Grundschule und ein Kindergarten, die auch von den Kindern aus der Umgebung besucht werden können. Außerdem wurde hier ein medizinisches Zentrum gebaut, das ebenfalls von der umliegenden Bevölkerung genutzt wird.

 
 
 
 
 


Diese weltweit bekannte Organisation ist ein wichtiger Teil in unserem Netzwerk und hat eine Vorbildfunktion, denn SOS-Kinderdorf verfolgt den gleichen Ansatz in der Führung eines Kinderheims in familiärer Atmosphäre wie Sun For Children. SOS-Kinderdorf hat auch neben Wohnhäusern für die jüngeren Kinder sogenannte „Foyers“ (Wohngemeinschaften) für die heranwachsenden Jugendlichen, um diese in die Selbstständigkeit zu führen.
Wir hatten ein ausführliches Gespräch mit einem Erzieher und einer Betreuerin, tauschten unsere Kontaktadressen aus und sprachen ab, in Verbindung zu bleiben. Aufgabe Nr. 7 war hiermit erfüllt.

 
 
 
 
 
 
 
 
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